Montag, 10. Januar 2011

Los Reyes Magos de Oriente

Während in Deutschland die gesamten Weihnachtsvorbereitungen zum 6.Januar abgeschlossen sind, laufen diese in Spanien auf Hochtouren. Da ich nun schon seit vier Monaten in Spanien als AuPair arbeitete, bot sich mir die Chance diese zwei doch so unterschiedlichen Weihnachtsfeste mitzuerleben. Denn nach vier Monaten Spanien, konnte ich neun Tage in Hückeswagen verbringen und somit Weihnachten zu Hause feiern.
Pünktlich zu Neujahr und den „Los Reyes Magos de Oriente“ (die drei heiligen Könige aus dem Orient), was hier das Weihnachtsfest ist, war ich wieder hier in Terrassa. In meiner Gastfamilie waren die beiden Mädchen (Alexa 5 Jahre, Carla 2 Jahre) bereits die gesamte Woche sehr aufgeregt gewesen. Also halfen sie so gut es ging mit, um alles aufzuräumen etc., damit die Könige mit Geschenken vorbeikommen würden!
Am 5. Januar wird das spanische Weihnachtsfest eingeläutet, indem in jeder Stadt die Ankunft der Könige gefeiert wird. Diesen Einzug kann man sich wie einen Karnevalszug vorstellen, nur dass dieser, besonders für die Kinder, mit viel mehr Zauber verbunden ist. Also machten wir uns gestriegelt und gespornt gegen 19 Uhr auf den Weg in die Innenstadt, die bereits überfüllt von Menschen war. Wir hatten jedoch das Glück den stundenlang wartenden Menschenmassen zu entkommen, denn wir konnten das Spektakel von einem Balkon aus betrachten. Nun zogen also die drei Könige mit ihren „ayudantes“ ihren Helfern ein. Diese sind zumeist größere Kinder, die auf beleuchteten Wagen in aufwendigen Kostümen fahren, hoch zu Ross sitzen oder zu Fuß unterwegs sind. Diese schmeißen, so wie auch die Könige, „caramelos“ also Süßigkeiten. Zudem sorgen Musikgruppen für die passende Stimmung. Dieser Einklang war für mich, die ich so etwas ja zum ersten Mal gesehen hatte, wirklich beeindruckend.
Im Anschluss müssen die Kinder schnell ins Bett, nachdem alle Vorbereitungen für Die Könige und deren Kamele getroffen wurden. Dazu gehört klassischerweise der Champagner und der „Túrron“ (spanische Spezialität) für das leibliche Wohl der Könige, und Brot, Äpfel, Karotten und Wasser für die Kamele. Zudem müssen die Schulergebnisse (hier in Spanien bekommen die Kinder eine Art Zeugnis nach jedem Trimester), ein Wunschzettel und ein gemaltes Bild bereitgestellt werden. Außerdem muss jeder Anwesende im Haus einen sauberen Schuh unter den Tannenbaum aufstellen.
Am nächsten Morgen weckten dann die beiden Mädchen alle auf (auch die Großeltern hatten hier geschlafen), denn üblicherweise ist die Wohnzimmertür verschlossen, doch immer gibt es ein Anzeichen, dass die Könige vorbeigeschaut hatten. So hatten sie dieses Mal, zur Freude der Mädchen, Goldtaler hinterlassen. Nach dem Alter geordnet (noch im Pyjama), ging es dann ins Wohnzimmer und das nicht gerade leise! Wo in Deutschland eher die Besinnlichkeit eine große Rolle spielt, ist das hier das Gegenteil. „Typisch spanisch“ geht es nicht ohne laute Geräuschkulisse. Das gesamte Wohnzimmer (wie sich auch bei den Großeltern herausstellte) ist üblicherweise voller Geschenke. Die Kinder müssen nun ihre eigenen suchen und dürfen sie sofort öffnen. Neben den persönlichen Geschenken gibt es auch immer eins für die gesamte Familie.
Als absolutes Highlight (von dem ich auch nichts wusste), fanden die Mädchen auf dem Tisch einen Zettel von den Königen. Denn ein Geschenk hatten Carla und Alexa noch nicht gefunden! Um an dieses zu gelangen mussten sie eine Reihe von Aufgaben erledigen, wie Bälle nach der Größe ordnen oder ein Lied singen. Letzten Endes führte dieses Rätsel dann zu dem Ort, wo das Geschenk bereits auf uns alle wartete. Sein Name ist Titu-ein Meerschweinchen.
Jedoch blieb dann kaum Zeit, um alle Geschenke zu betrachten, sondern alle mussten sich schnell anziehen, denn es warteten schon die „regalos“ in der Wohnung der Großeltern (diese leben unter unserer Wohnung). Als wir dort ankamen, hatte sich auch bereits die gesamte Familie eingefunden und das Spiel ging von Vorn los. Nachdem alle Geschenke nun geöffnet waren, fanden sich die Familienmitglieder an einem großen Tisch ein und aßen Churros zusammen mit heißer Schokolade und noch weiteren typischen Leckereien. Gegen 15 Uhr kamen nun erneut alle Großeltern zu uns in die Wohnung und es folgte ein Mittagessen. Hierbei gab es als Spezialität einen Königskuchen zum Nachtisch. Dieser ist mit einer Vanillecreme gefüllt, in welcher zwei Figuren versteckt sind. Zu finden gibt es also einen König, und eine unbestimmte Figur, bei der man, wenn man diese findet, den Kuchen zahlen muss.
Gegen abend fuhren wir dann erneut zu den anderen Großeltern, um dort die Geschenke abzuholen. Denn im Gegenteil zu Deutschland ist nur der 6. Januar an sich Weihnachten für die Spanier. Aber abschließend muss ich sagen, dass diese Art und Weise zwar zunächst fremd für mich war, mir jedoch sehr gut gefallen hat.
(Alexas Favorit!)
(die "ayudantes" können auch auf einem Mickey-Wagen angefahren kommen!)
(das ist die Kapelle von Patja Xiu Xiu -leider bin ich mir mit dem Namen nicht ganz sicher..., er sammelt auf jeden Fall die Wunschzettel der Kinder ein)

(dieses Jahr war ein Cousin von den Mädchen unter den "ayudantes")
(Patja Xiu Xiu)


(das sind die Wúnschzettel)

(Alexa war sehr aufgeregt bei den Vorbereitungen...man sieht die Ergebnisse der Schule, den "Cava" und die torróns)

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